Die Harmonie zwischen Licht und Dunkelheit

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Ich hatte im ausklingenden Winter keinen elektrischen Strom und konnte die Vorzüge ausschließlich natürlicher Beleuchtung kennenlernen. In der dunkelsten Zeit, also Dezember und Januar nutzte ich zwar oft Kerzen (meistens aus Bienenwachs), seit einigen Wochen ist aber auch das nicht mehr nötig. Ich richte mich einfach nach der Sonne. Das hat viele gute und interessante Auswirkungen auf mein Leben und regte auch einige allgemeinere Überlegungen in mir an.

Da die Erde eine Kugel ist und die Sonne weit weg, herrscht auf ihr über das Jahr verteilt ein nahezu vollständiges Gleichgewicht zwischen Licht und Dunkelheit. So, wie auch in uns der helle und der dunkle Bruder (siehe auch Anasta – Buch 10 der „Anastasia – Reihe“) im Ausgleich sein sollten.

Das reizvolle an diesem Spiel ist sein vielfältiger Ausdruck der, sich von Nord- bis Südpol bildet. So, wie bei jedem Menschen Licht und Schatten an anderen Stellen sind und eine individuelle Gewichtung haben. Bei uns in Deutschland schwangt die Helligkeit sowie Dunkelheit über das Jahr zwischen 8 und 16 Stunden am Tag. Diese Spanne bestimmt bis heute einen großen Teil unseres Lebens. Der Lichteinfall bestimmt Vegetation und spiegelt sich in der traditionellen Speisekarte, der Art des Häuserbaus … wieder. Menschen anderer Erdregionen haben z.B. 20 Worte für Schnee, oder noch nie davon gehört, teilen das Jahr eher nach Regenzeiten ein, brauchen keine Heizung oder keinen Wintervorrat anlegen.

Die geographische Breite steckt quasi in unserer gesamten Kultur.

Wir entfernen uns aber zunehmend von dieser natürlichen Ordnung, fliehen die Dunkelheit und erleuchten uns von außen, anstatt z.B. durch das Licht der Erkenntnis von innen.

Und nun, um diese Erfahrung elektrischen Lichtes reicher, bemerken wir an verschieden Stellen die „Schattenseiten“ des Kunstlichtes. Mit der Abschaffung der Glühlampe erkannten einige von uns die Gefahren von „Energiesparlampen“ und dem dünnen Lichtspektrum der LEDs. Wir wissen nun, dass der Lichteinfall unsere Melatonin-Ausschüttung in der Zirbeldrüse beeinflusst, was unseren Tag-Nacht-Rythmus regelt. Selbst einfach gestrickte Staatsbürger meckern über das „kalte Licht“ von LED und Co.

Und so, wie Holzfeuer und Holzofen eine gänzlich andere physiologische Wirkung auf uns haben, als Elektroherd und Heißluftheizung, empfinde ich Bienenwachskerzen als „wärmstes“ Licht. sie verbreiten einen angenehmen Geruch und kommen der Sonne von ihrer energetischen Ausstrahlung am nächsten. Bienenwachs ist allerdings – zum Glück- rar und so benutze ich es auch sehr sparsam.

Das kommt dann vor, wenn der Tag doch etwas länger sein soll (meistens durch Nicht-Loslassen-Können oder Nicht-zur-Ruhe-kommen-wollen) , oder ich morgens einen Einfall hab, der gleich zu Papier gebracht werden will. Im Grunde sind das meistens Verhaltensmuster eines Kindes, das noch nicht ins Bett will.

Viele Ratgeber preisen die Vorzüge des Früh-ins-Bett-Gehens an, langes Schlafen und ausreichend Ruhepause sollen Konzentration und der guten Laune zuträglich sein. Aus meiner Erfahrung kann ich das bestätigen.

Tja, aber was macht man denn dann z.B. im Februar zwischen 17 Uhr und 7 Uhr morgens, wenn es komplett dunkel ist? Naja, zunächst einmal ist es schwierig, einen Ort in Deutschland zu finden, der so dunkel ist, Kunst-, Mond- oder Sternenlicht reichen für einen Spaziergang oder auf’s Klo gehen allemal. Ich habe in meinem ganzen Leben nicht so viel Sterne geguckt (was ja auch Informationen aus unserem Unterbewusstsein befreien soll) wie in diesem Winter. Das wäre noch viel besser möglich, wäre da nicht die allgegenwärtige Nachtbeleuchtung. Selbst in kleinen Dörfern werden jetzt schon nachts viele Straßen durchgängig erhellt und „lichtverschmutzten“ damit die Nacht.

In meinem Leben gab es einmal den Moment, als ich mich griechischem Weisen sehr nahe fühlte. Dazu musste mich das Schicksal erst in einen großen Nationalpark Neuseelands über 100 km von einer Stadt entfernt, führen. Es war Neumond und ich konnte mit bloßen Augen nicht nur die Milchstraße an sich, sondern sowohl Licht aussendende und verschlingende galaktische Nebel sehen und anhand der Dichte und Helligkeit der Sterne sowohl die Richtung zum Zentrum, als auch den Rand unserer Galaxie erkennen!

Es heißt ja: „Im dunkeln ist gut munkeln“ und wenn man eben schon um acht ins Bett geht, entfalten sich unvergleichliche Gespräche. Bin ich ich allein, kann ich abends wunderbar meditieren und vor dem Aufstehen habe ich das Singen (wieder) für mich entdeckt. Ich lerne meine Stimme mit all ihre Facetten kennen. Ich habe auch jenes Organ intensiv schulen können, welche uns insbesondere zum Menschen machen: das „Denk-Organ“. Ich habe mir Texte überlegt und daran gefeilt, an meinem zukünftigen Landsitz „gebastelt“ mein Vorstellungsvermögen, also meine geistige Schöpferkraft gestärkt.

Das Wichtigste an all der winterlichen Dunkelheit ist aber das „zur-Ruhe-kommen“, „zu-sich-selbst-finden“ und neu entdecken. Ein Jahr voller Erlebnisse und Erfahrungen will abgeschlossen, integriert, vollständig verdaut werden und ein neues begrüßt, „be-plant“ sein. Diese große Leere, die im Winter in die Natur einzieht ist auch uns eine große Lehre. Sie führt zur Be-Sinnung des Lebens, die dunkelsten Wochen werden auch die besinnliche Weihnachtszeit genannt, die geweihte Nacht als unsere große Rückbesinnung auf den Schoß unserer Familie, unserem Ursprung gefeiert. Auch Unangenehmes taucht aus dieser stillen Nacht auf und will angesehen werden. Diese „innere Arbeit“ gehört zum Menschsein, ob wir wollen oder nicht, sie ist Teil unseres Wachstums, unserer Befreiung und Selbsterkenntnis.

Felix_Kopf 01Lasst uns den Winter wieder der Ruhe widmen und auch mehr und mehr wieder die Harmonie zwischen Licht und Dunkelheit in uns selbst erreichen.

Lasst und bereit machen für die große Freude, die der Frühling früher den Menschen bescherte.

Lasst uns den Schein vom Licht im Außen verglimmen lassen und dafür eine innere Flamme entfachen, die die ganze Welt erstrahlen lässt!

Lasst uns liebevoll leben, laut lachen und lange leuchten!

Felix der Glückliche

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