Altes Handwerk, die Ahnen und der Familienlandsitz

von Maik Palitzsch-Schulz

Das sogenannte „Alte Handwerk“ hat mich schon als kleiner Junge fasziniert. Sehe ich heute alte Kirchen oder Fachwerkhäuser, bewundere ich immer wieder erstaunt die alte Handwerkskunst mit welcher unsere Vorfahren Fresken und Schnitzereien durch einfachste Werkzeuge erschufen.

Zeit, Geduld und viel Liebe zum Detail, gepaart mit intuitivem Wissen und Fühlen über und für das Material Holz und Stein waren beim Erschaffen mit am Werke. Wie gerne würde ich hin und wieder eine Zeitreise machen und den Handwerksmeistern bei ihrem Wirken über die Schulter sehen. Kein Taschenrechner und kein Computerprogramm half bei der Berechnung einer Statik für eine Kathedrale oder eines Fachwerkhauses.

Altes Handwerk birgt jedoch wesentlich mehr als Kirchenfresken und Schnitzereien. In diesem Artikel werde ich über meine Sichtweise vom „Altem Handwerk“ den Ahnen und dem Aufbau eines Familienlandsitz in einer Siedlung näher eingehen.

Als erfahrener Handwerksmeister besinne ich mich seit 10 Jahren immer stärker auf das, was Handwerk eigentlich ist – das Erschaffen eines Werkes mit den Händen. Dabei hoble und schnitze ich jedoch nicht mit den Händen sonder führe mit meinen Händen und guten Gedanken den Hobel und das Stecheisen. Die Freude am selbst gehändeltem ist kaum in Geld fassbar. Daher ist der Tausch von handwerklichen Waren und Kunstgegenständen in einer Siedlung am sinnvollsten.

Als kleine Vorgeschichte hier ein Einblick warum ich dies als wichtig erachte.

Während meiner Ahnenforschung machte ich interessante Entdeckungen über den Aufbau von Dorfstrukturen. Meine Ahnen sind womöglich nach langer Wanderung aus dem Harz in Mecklenburg Vorpommern angekommen. Nachweisbar ist, dass sie in dem kleinem Dorf Ballwitz nahe Neubrandenburg, mindestens seit 1635 einen von neun Erbbauernhöfen in der Größe von genau 10.000 m² bewirtschafteten. Nach und nach mussten die Bauern immer mehr Land kaufen/ pachten und bewirtschaften, so das die Größe der einzelnen Hofstellen 1944 auf teilweise 50 ha angewachsen war. Interessanter Weise hatte jeder der einzelnen Höfe – das Dorf bestand 1635 wohl nur aus neun Höfen – eine handwerkliche Spezialität. Auf dem Hof meiner Ahnen war es die Stellmacherei.

Stellmacher oder auch Wagner befassten sich damals wie heute mit dem Bau und der Reparatur von Pferdefuhrwerken aller Art, Handkarren jeder Größe und Schubkarren. Neben ihrem Hauptbroterwerb – der Landbewirtschaftung – hatte jeder Hof also einen Nebenerwerb durch ein spezielles Handwerk. Bei der Größe des Landes konnte ein Bauer jedoch nicht mehr Bauer und Handwerker gleichzeitig sein. Daher war es üblich das der älteste Sohn den Hof erbt und der jüngere das Handwerk ausübte. Bei unserer Sippe war die Stellmacherei in den Vierseitenhof eingefügt.

Neben dieser Aufgabenteilung – welche in dieser Zeit wohl einen Sinn ergaben – hatten die Männer meiner Ahnen auch lange Zeit die Funktion des Dorfschulzen inne. Der Sippennahme Schulz birgt also eine gewisse Pflicht, welche ich mir durch meine Inkarnation in diese Sippe selbst gesucht habe. Mein Hang zum Handwerk, zum Boden und auch die Kraft für die Gründung einer Siedlung liegen daher wohl auch im Blute.

Auf unserem Familienlandsitz werde ich mich neben meinen handwerklichen Fähigkeiten als Baumeister, nach und nach intensiv als Stellmacher betätigen. Jeder Landsitz einer Siedlung wird einen guten Karren und eine stabile Schubkarre schätzen. Später werden dann kleine Fuhrwerke gebaut. Mit dem Schmied, dem Zaumzeugmacher der Siedlung und vielen anderen kann dann getauscht oder auch gehandelt werden. Spätestens hier wird klar warum eine Familienlandsitz-Siedlung eine bestimmte Größe anstreben sollte. Weitgehende Autarkie wird erst möglich wenn ein bestimmter Prozentsatz an Handwerk erreicht ist.

Stellmacher werden und dabei erfolgreich sein kommt nicht von ungefähr. Daher wohl der Spruch, „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“. Auf der einen Seite habe ich das Handwerkliche im Blute und schon einiges an Erfahrung beim bearbeiten von Holz und Metall gesammelt. Auf der anderen Seite informiere ich mich schon jetzt intensiv über alle Arten von Wissen über dieses alte Handwerk. Einige alte Schriften und Zeichnungen konnte ich schon erwerben und beginne mit deren Studium. Als sehr motivierter Autodidakt kann ich mir das fehlende Wissen selbst aneignen ohne eine Lehre besuchen zu müssen. Des weiteren erforsche ich gerade das in mir gespeicherte Ahnenwissen über Handwerk und Landbewirtschaftung.

Hier einige meiner handwerklichen Arbeiten der letzten Jahre.

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Während der letzten vier Jahre konnten wir von Weda Elysia auf über 50zig Kennenlerntreffen von den Teilnehmenden viele Ansichten über deren Lebensweise auf dem künftigen Familienlandsitz und ihrer Siedlung erfahren. Nur die wenigsten könnten mit ihrem derzeitigem Berufswissen einen Garten anlegen und/oder ein Handwerk ausüben. Das macht einen Sofortstart auf 10.000m² nur für einen Bruchteil dieser Menschen möglich. Eine gründliche Vorbereitung auf diese neue Lebensweise bringt oft ungeahnte Möglichkeiten und Perspektiven. Der neue Beruf wird zur Berufung und die Lebensfreude steigt enorm.

Je tiefer der Mensch in seinen Gedanken in die Welt des eigenen Familienlandsitz und der Siedlung eintaucht, desto klarer werden die Notwendigkeiten des Miteinander aller Siedler. Wenn das individuelle des Einzelnen die Gesamtvision stützt, wird eine Siedlung entstehen in welcher sich die Fähigkeiten des Erschaffens – zur Freude aller beim Betrachten der gemeinsamen Schöpfung entfalten können.

Das individuelle möchte auch innerhalb der Familie wieder seine natürliche Ordnung finden. Wie können Mann und Frau ihre Fertigkeiten sinnerfüllt ausüben? Nun, das darf jede Familie für sich selber herausfinden. Bei uns gibt es beim Handwerklichem klare Aufgabeteilungen. Meine liebe Frau beschäftigt sich intensiv unter anderem mit Wolle – dem Spinnen und der Herstellung von Wollkleidung für die Familie dem Garten und der Bereitung guter Speisen. Für meine herrliche Wollstrickjacke wurde jeder Wollfaden selber am Spinnrad gesponnen, gezwirndt und dann als Jacke gestrickt. Jeder Faden rutschte mehrmals durch die Finger meiner Frau und berührte den Faden liebevoll. Habe ich die Wolljacke an, fühle ich mich von der Liebe meiner Frau eingewoben. Sie wirkt wie ein Schutz gegen alles was diese Liebe beeinträchtigen wollte. Wenn wir das übertragen, wer will dann noch sein Haus, seinen Garten von jemand fremden bauen lassen?…

Die urklassische Aufteilung von „Mann ins Außen gerichtet und Frau am Heimfeuer“, hat eine tiefe und Sinn bringende Bedeutung, deren Bewusstwerdung einen großen Anteil daran haben wird ob ein Familienlandsitz, ein Raum der Liebe und daraus ein Ahnengrund überhaupt dauerhaft entstehen kann. Dieser Aspekt an sich kann mehrere Bücher an Wissen füllen und hat es auch schon. Wie Anastasia immer wieder betont, ist das eigene Denken ein Schlüssel für das Erkennen ursprünglicher Wahrheiten. Daher sei hier nur angerissen warum die Aufteilung Sinnerfüllung bringt.

Als Mann ins Außen gerichtet habe ich eine schützende Rolle für meine Frau, den Kindern, Enkeln und dem Ahnwesen. Ist dieser Schutz gewährt, fühlt sich meine Frau geborgen und kann die innere Flamme (Sinnbild Herd- Heimfeuer) nach außen strömen lassen. Sie inspiriert nun mich in meinem Schöpfersein. Die Ruhe welche Sie ausströmt hüllt alles Leben auf dem Ahnwesen ein und lässt es erblühen. Die wechselseitige Freude potenziert sich und der Raum der Liebe entsteht. Das alles kann auch schon in Vorbereitung auf den eigenen Landsitz erprobt werden. Die Frau am „Herdfeuer“ ist also nicht das „Heimchen“ für Kochen, Putzen, Wäsche und Kinder großziehen. Sie ist der Schlüsse für den Raum der Liebe welcher der Mann beschützen und bewahren muss. Viele handwerkliche Berufungen ergeben sich daraus, jeder Mann und jede Frau möge hier selber die seinen finden.

Der Ganzheitlichkeit halber sei erwähnt; Gartenarbeit und Handwerkskunst müssen nicht die einzigen erfüllenden Tätigkeiten von Mann und Frau innerhalb und außerhalb einer Siedlung sein.

Doch wenden wir uns wieder dem Handwerk in einer Familienlandsitz-Siedlung hin.

Für alle die noch nicht wissen was ihre Berufung oder auch Berufungen sein könnten, hier ein Buch als Anregung:

John Seymour – Vergessene Künste

Rezession einer Leserin: Quelle

…Voller Staunen und Respekt läßt er uns Handwerkern aussterbender Berufe über die Schulter und auf die Finger schauen, und gibt uns, begleitet von seinen wirklich auch laientauglichen Erklärungen der einzelnen Arbeitsschritte das Gefühl, das auch erlernen zu können, ja er macht uns Lust darauf! Von der Herstellung eines Holzlöffels bis zur Blockhütte, vom Weidenkorb bis zum Rindenboot, ob Kalkmeiler oder Holzschuh, ob Wolle, Leder oder Flachs, kein Bereich oder Werkstoff, dem wir in irgendeinem Bereich unseres unseres Lebens begegnen könnten wurde ausgespart. Nur schwer kann man nach der Lektüre den Reflex unterdrücken, sofort den Strom abzumelden, denn John Seymour zeigt uns, wie es geht, in dem er beinahe ausschließlich Techniken, die ohne elektrische Maschinen auskommen bespricht…

Dieser Artikel erschien auch in der Dezemberausgabe 2016 der GartenWEden

Viel Freude beim lesen, nach- und vordenken, wünscht Maik Palitzsch-Schulz

Über den Autor:

Maik wirkt zusammen mit seiner Frau Aruna Maria und weiteren Familien an der Realisierung der Familienlandsitz-Siedlung Weda Elysia im Ostharz Vorland von Sachsen Anhalt. Für dieses Vorhaben haben sie im Sinne der elementalen Bildgestaltung ein Buch geschrieben, welches das Leben in ihrer Familienlandsitz-Siedlung beschreibt. Auch hier werden die weitreichenden Zusammenhänge von altem Handwerk, den Ahnen und der Siedlung tiefgründig in Form einer Geschichte beschrieben.

Weitere Infos zum Buch

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