Mädchen mit Hase

Warum seid ihr eigentlich bei Thema Fleisch essen so rigoros in eurem Projekt?“

wollte vor kurzem Mal wieder jemand von uns wissen. Eine ganze Weile hatte uns das Thema nicht mehr bewegt gehabt, aber nun sprachen wir als Gruppe noch einmal darüber und ein interessantes Gespräch entfaltete sich. Ich habe in Erinnerung daran und um einige meiner Gedanken erweitert, folgendes fiktive Gruppengespräch gefasst:

Warum sollen bei uns noch mal keine Tiere geschlachtet oder gegessen werden?“

Wegen der Ökologie. Fleisch essen bedeutet einen viel größeren Flächenverbrauch.“

Ok, aber was ist mit einem Huhn pro Jahr, das uns sowieso im Garten helfen soll?“

Wir essen doch nicht unsere Freunde.“

Und was ist mit einem wilden Reh?“

Wir haben doch keinen Raubtierkörper. Oder wo bitte schön sind die Reißzähne, die Krallen und schnelle Beine für die Jagd, der kurze Fleischfresserdarm? Und selbst wenn du dir einen Hasen auf natürlichem, physischen Wege erlegen könntest, würdest du dann einfach reinbeißen wollen, so wie dass alle Raubtiere machen? Eine Möhre oder einen Apfel können wir auch gut so essen, wie sie sind.“

Ok, einige Menschen, die lange Vegetarier waren und sogar fast nur Rohes aßen, sagen, dass sie wieder zum gelegentlichen Fleisch essen zurückgekehrt sind, weil das ihrem Körper besser tut, sie das tierische Eiweiß brauchen. Andere sprechen von der „Erdung“ der „feinstofflich physischen Kraft der Tiere“, die sie brauchen. Das lässt sich aber schon nicht mehr mit Brennwerten, Vitaminen oder Mineralien-Tabellen erklären. Und ich esse immerhin auch deutlich mehr Käse, wenn ich über einen längeren Zeit schwere Arbeiten ausführe.“

Ja klar wollen wir die Kraft der Tiere nutzen. Es ist ja auch von der Schöpfung so vorgesehen, dass die Erde, das Wasser, die Pflanzen und Tiere dem Menschen Energien bereitstellen für seinen Schöpfungsauftrag. „Machet euch die Erde Untertan“ heißt es schon in der Bibel und das taten wir auch. Aber wir waren schlechte Könige und unser „Volk“ leidet sehr unter unserer Herrschaft. Deshalb entzog es sich uns mehr und mehr. Welches Tier steht denn in Erwartungshaltung da, will dem Menschen dienlich sein, im Austausch für dessen wohltuende und einzigartige Energie? Die Bären wurden getötet, die Pferde geknechtet, die Hunde abgerichtet, bis sie so dumm waren, wie ihre Herrchen und jeden anbellen, der vorübergeht ….

Aber eigentlich ist es das Größte für die Tiere, wenn sie uns dienlich sein können, teilhaben können an unseren Schöpfungen, weil auch sie davon enorm profitieren können…

Dabei geben sie nicht nur bereitwillig ihre physische Arbeitskraft, sondern auch feinstoffliche Energien an uns ab. Früher hatten die Herrscher auch deswegen gezähmte Bären, Löwen, Tiger, Wölfe bzw. Hunde, Adler, an ihrer Seite. Diese starken Tiere waren nicht nur Symbole der Kraft auf den Wappen, oder furchteinflößende Gefährten, sondern auch tatsächliche Quelle animalischer Kräfte. Der Löwe war da vielleicht zahm am Hofe, und sein Herrchen war stark wie ein Löwe.“

Was? Sollen wir uns etwa Raubtiere halten?“

Hunde sind gezähmte Wölfe und Katzen fressen Mäuse.“

Gut, aber Bären?“

Das hängt von der Reinheit unserer Gefühle und dem nötigen Lebensraum ab. Wir sind noch mindestens eine Generation davon entfernt, dass in einer deutschen Ahnengut-Siedlung wieder Bären leben könnten. Noch können wir nur kaum von der freiwillig geschenkten Energie der Tiere profitieren, ob grob- oder feinstofflich, weil wir nicht rein genug sind.“

Hm, ich bin eben nicht rein genug und brauche noch Fleisch und auch wenn es nur einmal im Monat ganz im Stillen auf meinem Landsitz wäre, würdet ihr mich deswegen tatsächlich nicht aufnehmen?“

Ähm… Genau genommen… Nein! Auch einige von uns aßen früher gerne Fleisch bei manchen Gerüchen tauchen diese keineswegs unangenehmen alten Erinnerungen wieder auf, aber da wir uns für uns selbst gegen Fleischessen entschieden haben, bleiben wir auch dabei. Für uns ist klar, dass es auch ohne Fleisch essen gesund gehen kann und unsere Kinder werden diese Gelüste nicht kennen. Deswegen wollen wir auch nicht, dass bei ihren ersten Spielkameraden – den Kindern der Nachbarn – Daheim Fleisch gegessen wird. Wenn die Kinder älter und reflektierter sind, dann werden sie automatisch auf Menschen treffen, die Fleisch essen und selbst entscheiden, ob sie das auch mal probieren wollen, oder nicht.

Gleichzeitig nennen wir uns selbst nicht unbedingt„Vegetarier“ oder „Veganer“, weil es viele irrige Vorstellungen unter diesen Konzepten gibt. Unsere Ernährungsart lässt sich nicht bis ins Letzte beschreiben oder gar definieren, denn auch bei uns ändert sich da ständig etwas. Im Großen und Ganzen geht es aber stetig Richtung „einfach, natürlich und frisch aus dem eigenen Garten“. Unsere Siedlung hat für sich diese untere Grenze bei diesem Thema festgesetzt.

Andere Siedlungen werden sich vielleicht vor allem „zigarettenfrei“ oder „alkoholfrei“ oder sogar „stromfrei“ auf die Fahne schreiben.

Dann werden sich unter diesen speziellen Ausrichtung andere Menschen finden, z.B. auch solche, die hin und wieder eines ihrer Hühner schlachten wollen.“

Wir begrüßen die so entstehende Vielfalt und freuen uns jetzt schon auf den Erfahrungsaustausch dieser nachhaltigen Siedlungen.“

Und wenn es mal eine nachhaltige Siedlung geben sollte, in der Kleidung unerwünscht ist, dann werden ich mir ganz genau überlegen, ob ich sie besuchen möchte. Wenn ja, dann sicherlich im Sommer, gut gebräunt und durchtrainiert. ;-)“

Und, alle Klarheiten beseitigt?

Bei unserem Gespräch wurde uns mal wieder bewusst, dass jeder von uns ein klein wenig anders an die Frage der Ernährung herangeht, jeder seinen Weg dahin hatte, wo er heute damit steht. Wir haben uns auch noch mal die Formulierung unseres Gemeinsame Nenners angeschaut:

– alle Menschen in Weda Elysia ernähren sich von vegetarisch/veganer Kost.

– Tiere leben bis zu ihrem natürlichen Tod gemeinsam mit den Menschen auf dem Landsitz und in der Siedlung.

Und wir fühlen uns bestätigt, dass diese Formulierung in ihrer Kürze und Klarheit eine gute Basis für unser Miteinander leben in der Siedlung ist.

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